Skip to content

Film-Bilder-Galerie

Februar 27, 2012

Hier finden Sie die Bilder und den Sprechertext aller Szenen, die im Film „Soul-Scapes / Seelenlandschaften“ von Katja Koeppl gezeigt werden.

Es war im Herbst und wir kannten uns gerade ein paar Tage.
Was für ein wunderschöner, sonniger, warmer Tag. Wir haben
einfach alles stehen und liegen lassen und sind raus auf‘s
Land gefahren. Unten im Tal war Nebel und oben schien die
Sonne. Wir sind in den Wald gegangen und waren gerade an der
Nebelgrenze. Die Sonne schien hindurch, man konnte sehen und
nicht sehen. Manchmal war es verschleiert und dann zog es
wieder auf und das Licht strahlte herein.
Wir waren total verliebt.
Zu deiner Beerdigung habe ich dieses Foto ausgesucht, und ich
habe es ganz groß neben deinen Sarg gestellt. Ich hatte das
Gefühl, das ist das Bild, was am besten ausdrückt, was wir gelebt
haben.
Es war so kurz. Und es war alles.
Ein ganzes Leben im Leben.

 

 

__________________________________________________________________________________________________

 

 

Ich sehe nur Weiß und ich höre nichts. Alles ist gedämpft.
In dem Moment, als du gestorben bist, begann es zu schneien.
Die weißen Flocken fielen vom Himmel.
Als ob sie das Alles zudecken wollten.
Zudecken, damit endlich Frieden ist. Zudecken, damit es nicht
so weh tut. Zudecken, damit wir nicht mehr hinschauen müssen.
Der Schnee nimmt mir die Luft zum Atmen. Ich liege unter einem
weißen Federbett. Ich sehe nichts mehr, ich fühle nichts mehr,
ich will nichts mehr.
Die Welt tropft aus meinen Adern.

 

 

__________________________________________________________________________________________________

 

 

Ist es wahr?
Ist es wahr, dass du von uns gegangen bist?
Aber wo um Himmels Willen bist du?
Ist es wahr, dass deine Seele lebt?
Ist es wahr, dass du uns Zeichen gibst?
Ich bin müde. Ich finde keinen Sinn.

 

__________________________________________________________________________________________________

 

Unterwegs hast du einmal zu mir gesagt: „Wenn ich sterben muss,
dann möchte ich auf einen See blicken und den weiten Horizont
sehen.“ Ich habe oft an dieses Bild gedacht und ich wollte es
dir immer mitbringen. Ich habe mich nicht getraut.
Das Foto liegt seitdem in meinem Zimmer. Immer wenn ich es ansehe,
muss ich an dich und deinen Wunsch denken, an den weiten
Blick auf einen See.

 

 

__________________________________________________________________________________________________

 

 

Weiterleben. Überleben. Einen Tag. Noch einen. Noch einen.
Ich stehe auf, ich gehe ins Bett. Ich schlafe. Ich esse.
Ich lebe weiter.
Warum?
Jeder Schritt sticht mir durch Mark und Bein.
Ich laufe wie auf Dornen. Mit jedem Tag, den ich weiter gehe,
entferne ich mich mehr von dir. Es zerreißt mich.
Und doch gibt es eine Kraft, die mich weiter treibt.

 

 

__________________________________________________________________________________________________

 

 

Als Elias zur Welt gekommen ist, hat er mich angeschaut,
direkt in die Augen. Er war ganz ruhig und hat nur geschaut.
Ich bin seinem Blick begegnet und habe ihn in aller Stille
angesehen. ‚Ja, du bist es‘, habe ich für mich gedacht.
Woher kommt deine Seele?
Was weißt du? Woher kommst du?
Eines Tages hast du zu mir gesagt: „Stimmt‘s Mama? Mein Papa ist
tot, weil er einen Krebs hatte.“ Ja, so erklärst du es den Kindern.

 

 

__________________________________________________________________________________________________

 

 

Ich schau durch dicke Scheiben auf euch. Schau eurem Leben zu.
Und ich weiß nicht mehr, seid ihr wahr – oder ich?
Ist euer Leben wahr? Oder meins?
Ist es wahr, dass es wahr ist? Ist es wahr, dass du tot bist?
Ist es wahr, dass du wieder kommst?
Ich habe keine Antwort.

 

 

__________________________________________________________________________________________________

 

 

Warum ich? Warum hast du mir das angetan? Mitten im Leben!
Hörst du meine Schreie nicht? Du ignoranter Tod!
Weiße Wand, die alle Töne verschluckt! Nichts wie Stille.
Lass mich nur hier in meiner Verzweiflung!
Hier, in der Falle! Ich verfluche dieses Leben!
Dieses trostlose Leben ohne dich!

 

 

__________________________________________________________________________________________________

 

 

Endlich ist wieder Frühling. Dieser Winter war so lang!
Wir waren so krank. Lange krank. Immer wieder, immer wieder,
immer wieder. Wir haben so gekämpft, diese eisige Dunkelheit
zu überstehen! Auf dass die Sonne endlich wieder kommt!
Jetzt blüht alles und es ist wunderschön anzusehen.
Diese unfassbare Kraft, die die Natur hat! Ich fange an,
wieder lebendig zu werden. Ich fange an, mich wieder zu fühlen.
Doch diese zarte Schönheit schmerzt. Es tut so weh, dass du das
Alles nicht mehr miterleben darfst. Es tut weh, dass wir weitermachen
müssen ohne dich. Und trotzdem ist es wunderschön.

 

 

__________________________________________________________________________________________________

 

 

Es ist heiß heute. Ich helfe dir die Leiter hinunter ins
Becken. Ich stelle deine Krücken an die Seite und schwimme
hinter dir, damit niemand deinen Rücken verletzen kann.
Wir geniessen die Kühle und die brennende Sonne und sind für
einen Moment in diesem herrlichen Sommertag angekommen.
Du schwimmst an den Rand und wir schauen gemeinsam den tanzenden
Lichtern auf der Wasseroberfläche zu.
„Ich möchte es noch schaffen, Elias schwimmen zu sehen“, sagst du.
Wir schauen uns einen Moment an und wir begreifen beide, dass
wir über das Leben nach deinem Tod sprechen.
„Wer wird wohl an meine Stelle treten?“ fragst du.
Ich bin wieder im Schwimmbad. Zwei Sommer später. Wenn ich
eintauche in das kalte Wasser, kommen mir die Tränen. All diese
Orte, an denen wir gemeinsam waren, tragen unsere Geschichte.

 

 

__________________________________________________________________________________________________

 

 

Unser Kind wächst heran. Gestern hat Elias zu mir gesagt:
„Mama, ich bin nicht mehr traurig, dass der Papa nicht
mehr da ist, weil er doch jetzt ein Schmetterling ist und
fliegen kann.“
Was für eine schöne Vorstellung!

 

 

__________________________________________________________________________________________________

 

 

Ich bin deinen Tod mitgegangen – in ein neues Leben.
Ich habe erfahren, zu vertrauen. Zu vertrauen in den Lauf der
Dinge. In die Verbundenheit. Zu Vertrauen darauf, dass wir
ein Teil des Ganzen sind, dem wir angehören.
Und, dass wir bleiben.
Es gibt wieder Alltag und Sonntag, Arbeit und Freizeit.
Es gibt kleine und große Wunder. Und es gibt ein Staunen,
dass das Leben noch einmal so anders sein kann.
Ich bringe Elias ins Bett und halte seine Händchen bis er
schläft. Ich schau in sein kleines, friedliches Gesicht, das
voller Anmut daliegt, schläft und träumt.
Bis, dass ein neuer Tag kommt.

 

(c) Katja Koeppl 2012

 

Advertisements
One Comment
  1. Katka permalink

    Liebe Katja,
    Deine Bilder sind wunderschön und sprechen Bände. Ich bin berührt über Deinr Zeilen.
    Vor vielen Jahren hat mich der Tod mir sehr nahestehender Menschen auf die Reise nach Innen gebracht…. alles hat seine Zeit und seine Bedeutung.

    Unbekannterweise –
    Mit vielen Grüßen
    Katka Koeppl

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: