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Jung verwittwet – Trauern mit Kindern


Jung verwittwet mit Kindern zu sein bedeutet, eine erheblich erschwerte und besondere Trauerarbeit für sich und für die Kinder leisten zu müssen. Häufig fehlt einfach die Zeit und Gelegenheit zum Trauern. Der Alltag, die Bürokratie, Erkrankungen, neue und oft noch unklare Lebens- und Einkommensverhältnisse und vieles mehr können die hinterbliebene Familie schnell an die Belastungsgrenze – oder auch darüber hinaus- bringen. Plötzlich ist man nicht mehr „mitten im Leben“ sondern am Rand oder „am Abgrund“. Es gibt wenig, zu wenige, Möglichkeiten, untereinander zu kommunizieren, sich über die Entwicklung und Trauer der Kinder auszutauschen, gemeinsame Freizeitaktivitäten zu planen, sich gegenseitig zu helfen. Ich selbst habe die Angebote des Hospiz St.Martin für mich und mein Kind nutzen dürfen. Allerdings braucht es meiner Meinung nach neben den Begleitungen durch die Hospize und andere Einrichtungen den direkten Austausch der Eltern (und Kinder).

Meine Ausstellung „Soul-Scapes /Seelenlandschaften“ im Hospiz St.Martin in Stuttgart/Degerloch möchte auch auf die gesellschaftliche Relevanz des Themas „Trauern mit Kindern“ aufmerksam machen. Dieser Blog könnte ein Beginn für eine Kommunikationsplattform für verwittwete Eltern sein. Sie können diese Möglichkeit nutzen, sich mit Ihren Themen zu äussern und diese Plattform mitzugestalten.

Für jeden Hinweis zur Entwicklung dieser Plattform, wie auch gemeinsamer Aktivitäten, bin ich Ihnen sehr dankbar.

Sie können mich gern auch direkt kontaktieren per email: ka.hof@t-online.de. Herzlichen Dank!

Ihre Katja Koeppl

Informationen über die Ausstellung und die Künstlerin


SOUL-SCAPES/SEELENLANDSCHAFTEN
Eine Medienkunstausstellung mit Bildern,
Fotografien, Texten und Film von Katja Koeppl
Katja Koeppl ist seit 2009 verwittwet und wurde im Hospiz
St.Martin in Degerloch von der Kunsttherapeutin Barbara
Hummler-Antoni in ihrem Trauerprozess begleitet. Im Verlauf
der letzten eineinhalb Jahre hat sie gemeinsam mit
Barbara Hummler-Antoni die Idee und das Konzept des nun
vorliegenden Medienkunstprojektes erarbeitet. Die Werke
entstanden u.a. in der Kunstschule Breitenholz unter der
Leitung von Bettina Baur und Prof. Frederick Bunsen, in
der Werkstatt der ev. Mutter-Kind-Kurklinik Scheidegg und
im Atelier der Künstlerin.
Katja Koeppl arbeitet seit 25 Jahren als Filmemacherin und
Medienkünstlerin. Sie hat ihr Studium an der Hochschule
für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg als Diplom-
Kamerafrau absolviert und war viele Jahre in Berlin in der
Film- und Fernsehbranche tätig. Seit 2004 ist sie als Professorin
an der Hochschule der Medien in Stuttgart für die
Fachgebiete Visual Effects und Postproduction verantwortlich.

Katja Koeppl hat über 50 Film- und Medienproduktionen
mitgestaltet, darunter den preisgekrönten Dokumentarfilm
„Aufbruch 89“ über die Ereignisse in Dresden während
der Wende.
Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen. Es sind digital
bearbeitete Bilder zu sehen, die aus Fotografien und
Filz- bzw. Acrylvorlagen hervorgegangen sind. Ausserdem
sind auch einige Acryl-Bilder ausgestellt, die erst zukünftig
noch weiterbearbeitet und ausbelichtet werden. Der
zweite Teil besteht aus einer Fotoserie, die die einzelnen
Szenen des gleichnamigen Kurzfilmes und die dazugehörigen
Texte zeigen. Der Film läuft erstmalig zur Vernissage und
ist als DVD direkt von der Künstlerin erhältlich.

Weitere Bilder der Ausstellung


Hier finden Sie alle digitale bearbeiteten Bilder sowie die Acryl- und Filzvorlagen der Ausstellung „Soul-Scapes / Seelenlandschaften“ von Katja Koeppl.

Soul-Scapes 01
Filz, nassgefilzt mit vorgefilzten Teilen
Vorlage für Soul-Scapes 02-06

 

Soul-Scapes 02
Digitale Filzpanoramen
Mischtechnik
Lambda Print auf Fuji Crystal Archive DP II unter Acrylglas
120 x 50 cm

 

Soul-Scapes 03
Digitale Filzpanoramen
Mischtechnik
Lambda Print auf Fuji Crystal Archive DP II unter Acrylglas
120 x 50 cm

 

Soul-Scapes 04
Digitale Filzpanoramen
Mischtechnik
Lambda Print auf Fuji Crystal Archive DP II unter Acrylglas
120 x 50 cm

 

Soul-Scapes 05
Digitale Filzpanoramen
Mischtechnik
Lambda Print auf Fuji Crystal Archive DP II unter Acrylglas
120 x 50 cm

 

Soul-Scapes 06
Digitale Filzpanoramen
Mischtechnik
Lambda Print auf Fuji Crystal Archive DP II unter Acrylglas
120 x 50 cm

 

Soul-Scapes 08
Aufbrechende Erde
Acryl-Vorlage, digital bearbeitet
Lambda Print auf Fuji Crystal Archive DP II unter Acrylglas
50 x 100 cm

 

Soul-Scapes 09
Unter der Erde
Acryl-Vorlage, digital bearbeitet
Lambda Print auf Fuji Crystal Archive DP II unter Acrylglas
50 x 100 cm

 

Soul-Scapes 10
o.T.
Acryl und Moorlake auf Acrylpapier
65 x 50 cm

 

Soul-Scapes 11
Klagewand
Acryl-Vorlage, digital bearbeitet
Lambda Print auf Fuji Crystal Archive DP II unter Acrylglas
60 x 120 cm

 

Soul-Scapes 12
Adern
Acryl und Moorlake auf Acrylpapier
65 x 50 cm

 

Soul-Scapes 13
Riss
Mischtechnik
Lambda Print auf Fuji Crystal Archive DP II unter Acrylglas
50 x 106,8 cm

 

Soul-Scapes 14
Paradies im Nebel
Mischtechnik
Lambda Print auf Fuji Crystal Archive DP II unter Acrylglas
160 x 74,9 cm

Soul-Scapes 27
Schichtung
Acryl und Moorlake auf Acrylpapier
65 x 50 cm

 

Soul-Scapes 28
o.T.
Acryl und Moorlake auf Acrylpapier
65 x 50 cm

 

Soul-Scapes 29
Wucht
Acryl auf Acrylpapier
50 x 65 cm

 

Soul-Scapes 30
o.T.
Acryl auf Acrylpapier
50 x 65 cm

Film-Bilder-Galerie


Hier finden Sie die Bilder und den Sprechertext aller Szenen, die im Film „Soul-Scapes / Seelenlandschaften“ von Katja Koeppl gezeigt werden.

Es war im Herbst und wir kannten uns gerade ein paar Tage.
Was für ein wunderschöner, sonniger, warmer Tag. Wir haben
einfach alles stehen und liegen lassen und sind raus auf‘s
Land gefahren. Unten im Tal war Nebel und oben schien die
Sonne. Wir sind in den Wald gegangen und waren gerade an der
Nebelgrenze. Die Sonne schien hindurch, man konnte sehen und
nicht sehen. Manchmal war es verschleiert und dann zog es
wieder auf und das Licht strahlte herein.
Wir waren total verliebt.
Zu deiner Beerdigung habe ich dieses Foto ausgesucht, und ich
habe es ganz groß neben deinen Sarg gestellt. Ich hatte das
Gefühl, das ist das Bild, was am besten ausdrückt, was wir gelebt
haben.
Es war so kurz. Und es war alles.
Ein ganzes Leben im Leben.

 

 

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Ich sehe nur Weiß und ich höre nichts. Alles ist gedämpft.
In dem Moment, als du gestorben bist, begann es zu schneien.
Die weißen Flocken fielen vom Himmel.
Als ob sie das Alles zudecken wollten.
Zudecken, damit endlich Frieden ist. Zudecken, damit es nicht
so weh tut. Zudecken, damit wir nicht mehr hinschauen müssen.
Der Schnee nimmt mir die Luft zum Atmen. Ich liege unter einem
weißen Federbett. Ich sehe nichts mehr, ich fühle nichts mehr,
ich will nichts mehr.
Die Welt tropft aus meinen Adern.

 

 

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Ist es wahr?
Ist es wahr, dass du von uns gegangen bist?
Aber wo um Himmels Willen bist du?
Ist es wahr, dass deine Seele lebt?
Ist es wahr, dass du uns Zeichen gibst?
Ich bin müde. Ich finde keinen Sinn.

 

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Unterwegs hast du einmal zu mir gesagt: „Wenn ich sterben muss,
dann möchte ich auf einen See blicken und den weiten Horizont
sehen.“ Ich habe oft an dieses Bild gedacht und ich wollte es
dir immer mitbringen. Ich habe mich nicht getraut.
Das Foto liegt seitdem in meinem Zimmer. Immer wenn ich es ansehe,
muss ich an dich und deinen Wunsch denken, an den weiten
Blick auf einen See.

 

 

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Weiterleben. Überleben. Einen Tag. Noch einen. Noch einen.
Ich stehe auf, ich gehe ins Bett. Ich schlafe. Ich esse.
Ich lebe weiter.
Warum?
Jeder Schritt sticht mir durch Mark und Bein.
Ich laufe wie auf Dornen. Mit jedem Tag, den ich weiter gehe,
entferne ich mich mehr von dir. Es zerreißt mich.
Und doch gibt es eine Kraft, die mich weiter treibt.

 

 

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Als Elias zur Welt gekommen ist, hat er mich angeschaut,
direkt in die Augen. Er war ganz ruhig und hat nur geschaut.
Ich bin seinem Blick begegnet und habe ihn in aller Stille
angesehen. ‚Ja, du bist es‘, habe ich für mich gedacht.
Woher kommt deine Seele?
Was weißt du? Woher kommst du?
Eines Tages hast du zu mir gesagt: „Stimmt‘s Mama? Mein Papa ist
tot, weil er einen Krebs hatte.“ Ja, so erklärst du es den Kindern.

 

 

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Ich schau durch dicke Scheiben auf euch. Schau eurem Leben zu.
Und ich weiß nicht mehr, seid ihr wahr – oder ich?
Ist euer Leben wahr? Oder meins?
Ist es wahr, dass es wahr ist? Ist es wahr, dass du tot bist?
Ist es wahr, dass du wieder kommst?
Ich habe keine Antwort.

 

 

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Warum ich? Warum hast du mir das angetan? Mitten im Leben!
Hörst du meine Schreie nicht? Du ignoranter Tod!
Weiße Wand, die alle Töne verschluckt! Nichts wie Stille.
Lass mich nur hier in meiner Verzweiflung!
Hier, in der Falle! Ich verfluche dieses Leben!
Dieses trostlose Leben ohne dich!

 

 

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Endlich ist wieder Frühling. Dieser Winter war so lang!
Wir waren so krank. Lange krank. Immer wieder, immer wieder,
immer wieder. Wir haben so gekämpft, diese eisige Dunkelheit
zu überstehen! Auf dass die Sonne endlich wieder kommt!
Jetzt blüht alles und es ist wunderschön anzusehen.
Diese unfassbare Kraft, die die Natur hat! Ich fange an,
wieder lebendig zu werden. Ich fange an, mich wieder zu fühlen.
Doch diese zarte Schönheit schmerzt. Es tut so weh, dass du das
Alles nicht mehr miterleben darfst. Es tut weh, dass wir weitermachen
müssen ohne dich. Und trotzdem ist es wunderschön.

 

 

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Es ist heiß heute. Ich helfe dir die Leiter hinunter ins
Becken. Ich stelle deine Krücken an die Seite und schwimme
hinter dir, damit niemand deinen Rücken verletzen kann.
Wir geniessen die Kühle und die brennende Sonne und sind für
einen Moment in diesem herrlichen Sommertag angekommen.
Du schwimmst an den Rand und wir schauen gemeinsam den tanzenden
Lichtern auf der Wasseroberfläche zu.
„Ich möchte es noch schaffen, Elias schwimmen zu sehen“, sagst du.
Wir schauen uns einen Moment an und wir begreifen beide, dass
wir über das Leben nach deinem Tod sprechen.
„Wer wird wohl an meine Stelle treten?“ fragst du.
Ich bin wieder im Schwimmbad. Zwei Sommer später. Wenn ich
eintauche in das kalte Wasser, kommen mir die Tränen. All diese
Orte, an denen wir gemeinsam waren, tragen unsere Geschichte.

 

 

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Unser Kind wächst heran. Gestern hat Elias zu mir gesagt:
„Mama, ich bin nicht mehr traurig, dass der Papa nicht
mehr da ist, weil er doch jetzt ein Schmetterling ist und
fliegen kann.“
Was für eine schöne Vorstellung!

 

 

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Ich bin deinen Tod mitgegangen – in ein neues Leben.
Ich habe erfahren, zu vertrauen. Zu vertrauen in den Lauf der
Dinge. In die Verbundenheit. Zu Vertrauen darauf, dass wir
ein Teil des Ganzen sind, dem wir angehören.
Und, dass wir bleiben.
Es gibt wieder Alltag und Sonntag, Arbeit und Freizeit.
Es gibt kleine und große Wunder. Und es gibt ein Staunen,
dass das Leben noch einmal so anders sein kann.
Ich bringe Elias ins Bett und halte seine Händchen bis er
schläft. Ich schau in sein kleines, friedliches Gesicht, das
voller Anmut daliegt, schläft und träumt.
Bis, dass ein neuer Tag kommt.

 

(c) Katja Koeppl 2012

 

Soulscapes-Seelenlandschaften


 

SOUL-SCAPES
SEELENLANDSCHAFTEN
Die Ausstellung ist bis zum 20. Juli 2012 zu sehen.
Eine Medienkunstausstellung mit Film, Fotografien und Texten
von Katja Koeppl
Vernissage: 16.03.2012
Zeit: 19.00 Uhr
Einführung: Barbara Hummler-Antoni
Ort: Hospiz St. Martin
Jahnstr. 44-46, 70597 Stuttgart
http://www.hospiz-st-martin.de.

Die Ausstellung Soul-Scapes/Seelenlandschaften spürt den Gefühlswelten des eigenen
Trauerweges nach. Innere Bilder und Empfindungen suchen in Landschaften ihren Ausdruck.
Mittels Lichtstimmungen, Abstraktionen und Farben versucht Katja Koeppl jenseits der
Sprache mitzuteilen, was Trauernde fühlen und bewegt. Eigene Erzählungen, die
im Film den Landschaften zugeordnet sind, konkretisieren den Erfahrungsraum
mit dem Erlebten der Medienkünstlerin.